Workshop: Was ich noch sagen wollte

In diesem Workshop erforschen Schüler die Möglichkeiten des Kommentierens im öffentlichen Raum und bedienen sich dabei der Form der Kommentarfunktion.

3. Juni 2013 – Abschlussevent
Für das Abschlussevent wird die Präsentation vorbereitet. Alle Ergebnisse werden zusammengefasst und vorbereitet. Dazu wählen die Kinder gemeinsam mit mir die Fotos aus und schreiben kleine Erläuterungen zu einzelnen Fotos. Die Bilder werden in einem Ordner sortiert und auf eine Gebietskarte aufgeklebt. Am Tag der Präsentation kommen die Schüler auf den Platz, um sich die Ergebnisse der anderen Workshops und ihre eigenen Ergebnisse zu sehen. Besonders die Urkunde hat es den Schülern angetan. Er wird als kleine Erinnerung in der Klasse gehängt.

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19.April 2013

Zweiter Tag der Stadtaktion.
Die Schüler bringen den zweiten Teil Ihrer Post’its an. Wir arbeiten in Gruppen, da einige noch mehr Nachrichten, Forderungen und Kommentare auf den Platz bringen wollen. Die Liste ist lang und wird immer differenzierter. Die Wünsche reichen von Sport-Bars für Kinder, in denen kein Alkohol ausgeschenkt wird, bis zur Verlängerung der Grünphase am Übergang der Karl-Marx-Straße. Auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer spielt eine Rolle. Die extrem reduzierte Maximalgeschwindigkeit soll eingehalten werden.

Das zentrale Thema allerdings ist der Müll. Der stört am meisten und scheint den Schülern am Herzen zu liegen. Auch ich muss sagen, dass, obwohl ich an verschiedenen Orten der Stadt aktiv bin, der Müll am Karl-Marx-Platz hervorstechend ist. Allerdings scheint es nicht an Mülleimern zu mangeln, sondern eher an einem widersprüchlichen Verhalten der
Anwohner. Auch die 5c war davon nicht befreit. Während wir auch dem Platz waren, wurde fortwährend über den Müll gemeckert, was sie aber nicht daran hinderte, im selben Augenblick ebenfalls Süßigkeitsverpackungen auf den Boden zu werfen. Als ich sie darauf aufmerksam machte, schienen sie erst mal keinen Zusammenhang zwischen ihrem Müll und dem Müll auf der Straße herzustellen.

Als weiteres Feature hatten wir heute noch Ilken. Alle Kinder, die “on” sind, wissen was es ist: Auf Facebook lässt sich irgendwie fast alles Ilken. Ein einfacher Daumen rauf oder runter, je nach dem.

Das geht bei Bildern, Veranstaltungen, Kommentaren und Einträgen jeder Art. Ein kurzes Statement. Mag ich, mag ich nicht.
Mein Versuch in der körperlichen Welt zu liken gelang nur so halb. Wir hatten einen großen Facebook-Daumen mit dem wir alles mögliche liken konnten. Die ganze klasse unterwegs, ein Objekt aussuchen, wer für Daumen rauf ist, sammelt sich zuerst hinter dem Daumen, wer für Daumen runter ist, kommt danach dran. So entsteht eine Wertung, ganz spontan und aus dem Bauch heraus. In der Umsetzung zeigte sich aber, dass es schwer war, die ganze Klasse für den Vorgang zusammenzuhalten.So entstanden zwar Likes und Dislikes , sie sind aber etwas willkürlich._1110410 _1110415 _1110421 _1110433 _1110436 _1110440

In den kommenden Projekttagen werten wir die Ergebnisse aus, und bereiten die Präsentation vor.

 

18.April 2013
Für die 5c war heute der wichtigste Tag des Projektes. Über zwei Tage lang hatten wir uns mit dem Platz und seinen Eigenheiten beschäftigt. Für Die Schüler ist das ein wichtiger  Punkt. Sie gehen zwar jeden Tag über den Platz und halten sich da auf, sie nehmen ihn aber auch als etwas gegebenes hin. Sie hinterfragen den Platz und seine Gegebenheiten nur oberflächlich. Als ich sie am Anfang unsere Workshops gefragt hatte was ihnen zum Karl-Marx-Platz einfällt, und was sie an diesem Platz ändern würden fiehl ihen eigentlich nur der Müll auf, der dort ein wirkliches Problem ist. Das war nach zwei Tagen intensiver Recherche anders. Die Kinder hatten sehr konkrete Vorstellung entwickelt was am Karl-Marx-Platz alles zu tun ist und was ihnen dort fehlt.

Die Klasse bei der Arbeit

Die Klasse bei der Arbeit

Wesentlich für dieses Projekt ist nicht nur eine Bewertung des Platzes durch die Kinder, sondern auch eine Verbesserung des Bewusstseins für den öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum soll von den Kindern als etwas wahrgenommen werden, das sie angeht, etwas sie mitgestalten können.

Die Post it's wewrden beschriftet

Die Post it’s wewrden beschriftet

Die Kinder erarbeitetet daher Wünsche, Aussagen und Fragen, die sie zu einzelnen Orten, oder Dinge auf dem Karl-Marx-Platz haben. Vieles fällt den Kindern auf.

Die Nachrichten werden angebracht

Die Nachrichten werden angebracht

Um die Kommentare auch am Ort anzubringen schreiben wir sie auf übergroße Post it’s. Dann bringen wir sie an den Ort auf den sich die Inhalte beziehen und kleben sie dort an. Dann dokumentieren wir sie mittels Bilder.

Als Dokumentation dient die Kamera

Als Dokumentation dient die Kamera

17. April 2013
Unser heutiger Tag hatte aufregendes zu bieten. Nachdem wir gestern den Platz erkundet hatten und an mehreren Orten auf dem Platz Eindrücke gesammelt hatten ging es heute an die ersten Bewertungen. Wie kann man auf sehr einfache Weise seine Meinung zu einzelnen, auch sehr kleinteiligen Elementen zeigen? Ich habe mich für das einfache Rot/Grün-System entschieden. Rote Aufklebepunkte für Dinge die man nicht mag, grün für alles was man mag . Festgehalten werden die Bewertungen mittels einer Einwegkamera. So bleibt die Wertung erhalten und kann sehr gut einer Öffentlichkeit (z.B. bei der Abschlussveranstaltung) gezeigt werden. Fotografien eignen sich besonders gut da sie schnell erfasst werden und eine reale Situation zeigen, die nur schwer zu beschreiben ist. Auf der anderen Seite zwingt es die Personen die Wertungen vornehmen sich wirklich intensiv mit dem Platz zu beschäftigen. Sie müssen im wahrsten Sinne des Wortes den Boden und Wände etc absuchen. Die Punkte sind auch eher klein. Damit lassen sich auch kleinste Details bewerten, das große Ganze spielt hier weniger eine Rolle. Es geht sehr konkret um Dieses und Jenes.

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Den Schülern fiel die Aufgabe leicht. Das Aufkleben, umher laufen, suchen und finden liegt ihnen, in diesem Alter haben ganz besonders die Jungs einen hohen Bewegungsdrang. Die Aufgabe ist eher ein Spiel. Trotzdem sind die Ergebnisse überzeugend. Das Verkleben der Punkt wird sehr ernst genommen. Darüber hinaus, mussten die Schüler auch zu einigen Punkten aufschreiben warum sie die einzelnen Objekte ausgewählt haben.

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16. April 2013
Tag eins unseres  Workshops. Ausgestattet mit kleinen Stadtplänen und Einwegkameras starteten wir eine erste Erkundung. Da ich nicht genau wusste wie gut die Schüler den Platz kennen wählte ich 4 Orte auf und am Platz aus welche die Schüler kommentieren sollten. Die Klasse arbeitete in 4 Arbeitsgruppen. Die Schüler zogen den ganzen Vormittag über den Platz. Sie besprachen ihre Antworten zu den Fragen und machten Aufnahmen zu den jeweiligen Orten.

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Die 5c

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Stadraumerkundung
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Was ich noch sagen wollte

Die Schüler/innen des Workshop beschäftigen sich mit den Möglichkeiten des Kommentars im öffentlichen Raum. Dazu wird eine weit verbreitete Möglichkeit des Internets zur Beteiligung an der Meinungsbildung aus der digitalen Welt befreit: Die Kommentarfunktion.

Ganz einfache Mittel stehen dazu zur Verfügung: Riesige und kleine PostIt’s, Daumen runter und Daumen hoch Zeichen (Facebook), rote und grüne Punkte. Die Schüler/innen untersuchen den Platz und sein unmittelbares Umfeld und bewerten nach ihren eigenen Kriterien alles was sie für Kommentarwürdig halten. Dabei ist es nicht nur wichtig was in diesen Kommentaren steht, sondern auch das notwendige Selbstbewusstsein öffentlichen Raum als „seine“ Angelegenheit zu betrachten. Zu diesem Thema (Was ist der öffentliche Raum, und was sollte er sein)  werden Gespräche mit den Schüler/innen geführt und aufgezeichnet.

Die im Stadtraum hinterlassenen Kommentare werden abfotografiert und die Orte der Kommentare auf einer Karte des Gebietes eingezeichnet. Somit lassen sich die Ergebnisse auch unter dem Gesichtspunkt der Emmotionsstarken Orte verstehen. Es handelt sich um Orte die bei den Schüler/innen eine bestimmte Emotionsschwelle überschritten haben was sie veranlasst einen Kommentar zu hinterlassen. Es entsteht also auch eine Karten der Emotionen. Zusammen mit Zitaten aus den Gesprächen lässt der Workshop interessantes Stückwerk zur Wahrnehmung des Platzes zurück, das in seiner Zerstückeltheit und knappen Form dem Zeitgeist des Internets entspricht, den Betrachter aber zwingt das Gesamtbild der Kommentare selbst zusammen zu setzen.

Der Workshop wird von Sebastian Wagner geleitet und findet in Kooperation mit der 5c (Klassenlehrerin: Frau Fischer) der Richard Grundschule statt. In der 5c lernen 22 Schüler_innen, von denen die meisten im direkten Umfeld wohnen und zu Fuß zur Schule gehen. Für einige der Schüler_innen liegt der Karl-Marx-Platz auf diesem Weg und  gehört zu ihrem Alltag. Das macht sie zu wirklich kompetenten Experten_innen wenn es um Anmerkungen zum Platz geht.

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